Immer mehr Mütter stillen ihr Baby
Ein Plädoyer für die natürlichste Säuglingsnahrung der Welt
06.01.2010
Brigitte van Hattem
Eine gute Nachricht, so der Gynäkologenverband mit Sitz in Frankfurt am Main: Junge Mütter in Deutschland stillen ihre Babys heute mehr und länger als früher. Während vor 30 Jahren nur jedes zweite Neugeborene in der Geburtsklinik "angelegt" wurde, bekommen heute neun von zehn Babys nach ihrer Geburt die Brust.
Muttermilch mit Abwehrkraft
Erfreulich ist der neue Trend für Babys und Mütter gleichermaßen. Mit der Muttermilch bekommt das Baby wichtige Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger und auch einen gewissen Schutz vor Allergien. Außerdem ist die Muttermilch in idealer Weise auf den Stoffwechsel des kleinen Kindes eingestellt. Sie enthält alles, was das Baby braucht in einer besonders leicht verdaulichen Form.
Auch die Mutter profitiert
Die natürliche Fähigkeit, ihr Kind aus eigener Kraft zu ernähren, ist auch für die Mütter gut. Denn:
Durch den Saugreiz angeregt, produziert die Hirnanhangdrüse bei jeder Stillmahlzeit Oxytocin. Dieses sogenannte Milchausschüttungshormom regt die Durchblutung der Brust an und läßt die Milch fließen. Gleichzeitig ziehen sich die Muskeln der Gebärmutter immer wieder stark zusammen, der Blutfluss wird gedrosselt. Nachblutungen kommen zum Stillstand. Der sogenannte Wochenfluss wird gesteigert und die Gebärmutter bildet sich schneller in ihre ursprüngliche Form zurück.
Das zweite Stillhormon ist das Prolaktin. Es wird ebenfalls in der Hirnanhangdrüse gebildet. Auch dieses Hormon entsteht, wenn das Baby beim Nuckeln die Brust stimuliert. Das Milch-bildungshormon bewirkt eine Füllung der Brust in etwa zwei bis drei Stunden. Durch kräftiges Saugen wird die Milchproduktion so gesteigert, daß auch Zwillinge genug zu trinken bekommen. Ein Nebeneffekt des Prolaktins ist seine empfängnisverhütende Wirkung: Wer voll stillt, kann in den ersten zehn bis zwölf Wochen nach der Geburt nur schwer wieder schwanger werden.
Stillen bedeutet mehr als nur das Baby richtig zu ernähren, betont der Berufsverband der Frauenärzte: Beim Anlegen entsteht eine einzigartige, beglückende zwischenmenschliche Situation, in der beide Teile volle Befriedigung finden. Die Mutter stillt ihr Bedürfnis, Zärtlichkeit zu schenken und registriert gleichzeitig das Wohlbehagen ihres Kindes.
Anleitung zum Stillen
Geburtshelfer, Hebammen und Stillberaterinnen sind heute in den meisten Geburtskliniken gemeinsam bemüht, die Babys möglichst schon im Geburtszimmer das erste Mal an die Brust der Mutter zu legen. Das geschieht auch nach einem Kaiserschnitt, sobald die Mutter wieder ansprechbar ist. Die frühe Anleitung zum Stillen gilt als eine besonders wichtige Voraussetzung für den späteren Stillerfolg.
Die gemeinsamen Anstrengungen von Frauenärzten, Klinikpersonal und Stillberaterinnen hat sich offensichtlich gelohnt: Nach jüngsten Erhebungen wird nicht nur in den Geburtskliniken mehr gestillt als früher: Auch zuhause werden die Babys länger zur Brust genommen als bisher. So wurden vor 30 Jahren nur sechs Prozent der Babys länger als drei Monate gestillt, heute bekommt jedes vierte Baby noch im Alter von einem halben Jahr die Brust. Der Anteil der Kinder, die auch ihren ersten Geburtstag mit einem kräftigen Schluck Muttermilch feiern dürfen, hat sich in den letzten zehn Jahren von drei auf sechs Prozent verdoppelt.
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